Unsere demographische Entwicklung – warum werden wir immer älter und kinderloser?

Kinder kriegen und Eltern zu werden, das eigene Kind aufwachsen sehen…diese Ereignisse im Leben werden von vielen Menschen als herausragend und als eine der schönsten Dinge überhaupt bezeichnet. Trotzdem bezeugen Statistiken, dass das Kinderkriegen in Mitteleuropa, insbesondere in Österreich, Deutschland und der Schweiz, immer mehr an Beliebtheit verliert. Schliesslich liegt die Geburtenrate pro Frau in der Schweiz bei 1,54 – ein Wert, der durch die höhere Geburtenrate von Migranten(1,9) ausgeglichen wird, jedoch sonst nur bei 1,42 Kindern pro Frau läge. Notwendig um entsprechend dem Wirtschaftswachstum neue Branchen und Arbeitsplätze auszufüllen und die Volkswirtschaft am Laufen zu halten, sind jedoch zumindest 2,1 Kinder im Durchschnitt.

Woran liegt dieser Missstand allerdings? Weswegen hinken wir anderen Ländern hierbei derartig hinterher? Die Antworten sind in vielen Aspekten unserer Zeit und unserer Gesellschaft zu finden, wir haben die wichtigsten Gründe für Sie herausgefunden.

Karriere statt Kinderwunsch

Immer mehr Frauen entschliessen sich dazu, eine erfolgreiche Karriere und beruflichen sowie finanziellem Erfolg Priorität über der Reproduktion und dem eigenen Kinderwunsch zu geben. Denn viele Arbeitgeber tolerieren eine längere Babypause nicht, und für das Aufziehen der Kinder und einer Partnerschaft bleibt kaum Zeit, sodass es oft zur Ablehnung des Kinderwunsches kommt.

Der kulturelle Aspekt

In vielen afrikanischen Staaten ist die Anzahl des Nachwuchses ein relevantes Statussymbol. Einerseits symbolisiert es den Wohlstand der Familie und sichert dem Mann seinen Standpunkt als Versorger, andererseits ist es als Zeichen von Potenz und Männlichkeit hoch angesehen. In der westlichen Kultur sind diese Werte allerdings bereits seit Jahrzehnten nicht mehr zeitgemäss(lesen Sie hier einen passenden Artikel dazu), oft wird auf Mütter aufgrund der vermehrten finanziellen Hilfe des Staates (Kindergeld, etc.) und der geringeren ökonomischen Produktivität sogar abschätzig hinabgeblickt. Wer sich um sein Ansehen kümmert, investiert also vorrangig in einen guten Beruf, als in eine erfolgreiche und zahlreiche Reproduktion.

Wenig Unterstützung bei der Vereinbarung der Finanzen und dem Kinderwunsch

Wer Kinder kriegen will, braucht vor allem Zeit und auch das nötige Geld. Um den Lebensunterhalt zu bestreiten, müssen immer öfter beide Ehepartner Vollzeit arbeiten gehen. Selbst wenn ein Gehalt für beide reichen würde, gehen viele Paare das Risiko nicht ein, weil bei einer möglichen Kündigung das gesamte Einkommen wegfallen würde. Allerdings bleibt so auch wenig Zeit für möglichen Nachwuchs, während auch sonst wenig Hilfe seitens des Staats und der meisten Unternehmen zu erwarten ist. Anders als zum Beispiel in Frankreich besitzen kaum Unternehmen einen eigenen Hort oder eine Tagesbetreuung für den Nachwuchs. Hierzulande wird es hingegen immer schwerer, als Durchschnittsverdiener Kinder aufzuziehen.

Teilzeit für qualifizierte Jobs kaum zu finden

Nach dem Studium und einiger Arbeitszeit bräuchten viele Paare mit Kinderwunsch eine Reduktion der Arbeitszeit – im Normalfall von Vollzeit (zumindest bei einem Partner) auf Teilzeit. Besonders aber bei Akademikern und Angestellten im oberen und mittleren Management ist das oft mit enormen Risiken und Unannehmlichkeiten verbunden. Häufig herrscht Angst vor der Kündigung, während sich mögliche Aufstiegschancen verschliessen. Denn für viele Chefs ist die Reduktion der Arbeitszeit ein Zeichen von Illoyalität und mangelnder Hingabe gegenüber dem Beruf, wodurch andere (kinderlose) Angestellte den Sprung nach Oben schaffen.

Ein weiter Weg

Bis der „Beruf“ Eltern den Stellenwert in der Gesellschaft bekommt, den es verdient hat, ist es ein langer Weg. Auch die Bedingungen für eine angenehmere und leichtere Verwirklichung des Kinderwunsches müssen verbessert werden– nach französischem Vorbild könnten etwa Unternehmen mit steuerlichen Anreizen entlohnt werden, die Kinderbetreuung für die Angestellten während der Arbeitszeit anbieten. Ansonsten wird unsere Gesellschaft immer älter – und gleichzeitig kinderloser.