Die grössten Vorurteile gegenüber Flüchtlingen – und was wirklich der Fall ist

Die Flüchtlingskrise ist das dominierende Thema in der Politik, in den Medien und im Journalismus. Über kaum ein Thema wurde bis jetzt im Jahre 2015 derart viel diskutiert, denn mit mehr als vier Millionen Flüchtlingen aus Syrien international ist die Problematik nicht zu unterschätzen. Leider wird das Thema vorwiegend politisch missbraucht, um Flüchtlinge in ein Licht zu rücken, das nicht der Realität entspricht. Wir haben uns den grössten Vorurteilen und Klischees über die Flüchtlingswelle 2015 angenommen, und klären mit wissenschaftlichen Fakten über die Realität auf.

Die Flüchtlinge wären keine echten Syrer

Diese Frage ist extrem schwer zu beantworten, weil die Flüchtlinge so wenig kontrolliert werden, dass es schwer möglich ist, zu sagen, wie viele Flüchtlinge tatsächlich syrischer Herkunft sind. Trotz der Möglichkeit, für relativ wenig Geld syrische Pässe zu kaufen, sind Schätzungen zufolge zumindest 50 Prozent der Flüchtlinge tatsächlich aus Syrien. Zwar nehmen viele Menschen, die nach Europa emigrieren wollen, die Flüchtlingswelle als gute Gelegenheit wahr, trotzdem fliehen die meisten Immigranten wegen des blutigen Bürgerkriegs zwischen Rebellengruppen, dem Islamischen Staat und dem Assad-Regime.

Die Flüchtlinge würden für einen Anstieg von Kriminalität sorgen

Angesichts der Tatsache, dass diese Menschen aus einer enorm umkämpften Region dieser Welt stammen, und die Migration nach Europa oft ihre letzte Chance ist, sind die Kriminalitätsraten enorm gering. Konflikte mit der Polizei und Soldaten gibt es maximal an den Grenzen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, ansonsten gibt es kaum Vorfälle.

Die Ausbildung der syrischen Flüchtlinge wäre für Europa kaum brauchbar

Die Ausbildung der Flüchtlinge und ihr potenzielles Nutzen für Europa sind die Themen mit den am weitesten auseinanderklaffenden Meinungen. So hält der Chef von Daimler die Flüchtlinge für eine grosse Chance für viele deutsche Arbeitgeber, die die Wirtschaft ankurbeln würden, während manche Demagogen die Meinung vertreten, dass es sich bei den syrischen Immigranten um ungebildete Menschen mit steinzeitlichen Werten handelt.

Tatsache ist hingegen, dass viele der Flüchtlinge aus ehemals sehr modernen Regionen entstammen, die sogar mit einem starken Wirtschaftswachstum gesegnet war, bis der Bürgerkrieg durch den Islamischen Staat und das Assad-Regime ausbrach, zum Beispiel der Stadt Kobane. Die Werte der Immigranten sind zwar oft muslimisch und tendenziell eher konservativ geprägt, von einer Nähe zum Islamischen Staat, dem Jihad oder einem steinzeitlichen Denken gegenüber Frauen kann allerdings nicht die Rede sein.

Die Bildung der Flüchtlinge ist im Vergleich zu anderen Staaten im arabischen Raum auf höchstem Niveau, weil auch Syrien eine Vorreiterrolle bei der Ausbildung der Bürger gespielt hat. So waren laut derer Angaben immerhin 21 Prozent auf einer Fachhochschule oder einer Universität, während ungefähr 22 Prozent ein Gymnasium besuchten. 47 Prozent hätten nur eine Grund- oder Hauptschule besucht. So verfügt laut diesen Angaben de facto jeder syrische Flüchtlinge über Grundwissen, das durch eine Lehre oder Ausbildung zu einem festen Job im Angestelltenverhältnis führen kann.

Fazit

Auch wenn die Flüchtlingskrise die europäischen Staaten vor neue Herausforderungen stellt, Kosten verursacht und ein logistisches Mammut-Projekt darstellt, ist es dennoch aus menschlicher Sicht enorm wichtig, die Schutz suchenden zumindest auf Zeit aufzunehmen. Denn entgegen vieler Vorurteile handelt es sich bei den meisten Flüchtlingen tatsächlich um Kriegsflüchtlinge, die aus ihrem stabilen Verhältnissen fliehen mussten, um nicht in die Hände radikaler Kriegstreiber wie zum Beispiel dem IS-Regime zu fallen.