Machen Gehirn-Jogging-Spiele wirklich schlauer?

Sogenannte Gehirn-Jogging-Spiele und Apps werden immer beliebter.

Kein Wunder, denn die Versprechungen einzelner Hersteller hören sich wirklich gut an: Nur wenige Minuten Gehirn-Training täglich sollen schlauer machen, das Gedächtnis verbessern und sogar vor Erkrankungen wie Demenz und Alzheimer schützen. De facto werden allein in den USA pro Jahr eine Milliarde Dollar für Gehirn-Training-Spiele ausgegeben.

Das Problem mit Gehirnjogging-Spielen

Es gibt allerdings ein großes Problem: Die meisten Gehirnjogging-Spiele liefern nicht den versprochenen Effekt – dies haben wissenschaftliche Untersuchungen über die letzten Jahre bestätigt.

In den USA ist nun sogar die Regierung eingeschritten: So hat die Bundeshandelskommission am Dienstag bekannt gegeben, dass Lumos Labs, der Entwickler des Gehirntraining-Programms Lumosity 2 Mio. Dollar für seine „irreführende Werbung“ zahlen muss.

Lumosity hätte mit den Ängsten der Verbraucher vor altersbedingtem kognitivem Verfall gespielt und behauptet, die eigenen Spiele könnten Gedächtnisverlust, Demenz und sogar Alzheimer abwenden. Doch Lumosity hat keine wissenschaftlichen Belege für diese Behauptungen.

Gehirntrainer – große Versprechungen

Viele Gehirntraining-Programme versprechen Folgendes: Man braucht die speziell entwickelten Spiele nur ein paar Minuten täglich mehrmals pro Woche zu spielen und kann sich über erstaunliche Ergebnisse wie bessere Schul- und Sportleistungen, ein besseres Gedächtnis und sogar eine verbesserte Erholung von Krankheiten wie Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma freuen.

Was bringen Gehirntraining-Programme wirklich?

Doch in der Realität sehen die Ergebnisse ganz anders aus: So konnte eine Studie zeigen, dass das Spielen von Lumosity keinerlei Verbesserungen der kognitiven Leistungen brachte. Schlimmer noch: Kontrollprobanden, die statt Lumosity ein Videospiel spielen schnitten im Anschluss in kognitiven Tests besser als Probanden, die Lumosity gespielt hatten.

Eine systematische Überprüfung der Untersuchungen zur Effekt von Gehirnjogging-Spielen aus dem Jahr 2013 kam zu dem Ergebnis, dass diese keine konkreten Verbesserungen für das Gedächtnis, Intelligenz oder kognitiven Leistungen bringen.

Für Neurowissenschaftler ist dies keine Überraschung. Im Jahr 2014 sprach sich eine Gruppe von fast 70 Forscher gegen Gehirnspiele aus, weil es keine Belege dafür gäbe, dass entsprechende Spiele kognitive Funktionen verbessern.

Bewegung

Anstatt ein Gehirnspiel zu kaufen, sollte man womöglich einfach regelmäßig spazieren gehen. Denn es gibt eindeutige Belege dafür, dass regelmäßige Bewegung kognitive Leistungen verbessern können. Diese Verbesserungen sind zwar in der Regel eher bescheiden, aber dennoch besser als der nicht vorhandene Effekt von Gehirnjogging-Spielen – und das Ganze ist völlig kostenlos.

Lesen von Büchern

Auch das klassische Lesen von Büchern sollte man nicht unterschätzen. Eine Studie fand heraus, dass Probanden, die etwa 9 Tage lang den Roman „Pompeji“ von Robert Harris (30 Seiten pro Tag) lasen, bessere Verschaltungen in zwei Gehirnaufwiesen (vor dem Lesen war dies nicht der Fall).

Nicht zuletzt sollen auch soziale Beziehung die kognitiven Leistungen erhalten können.

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